AllgemeinesFrettchen sind durch Domestizierung aus dem Iltis entstanden. Sie sind nur bedingt als Käfigtiere zu bezeichnen. Im Laufe der Entwicklung sind Frettchen zu Rudeltieren geworden.
Es wird deshalb eine paarweise oder besser artgerechte Gruppenhaltung empfohlen.
Der Freilauf der Tiere mehrmals täglich (2 - 3 mal) über mehrere Stunden (1 - 3 Stunden) ist wichtig für die Beobachtung des Allgemeinbefindens der Tiere, deren körperliche und geistige Entwicklung und ein ausgeglichenes Wesen. Die Art der Haltung kann nicht die Anforderungen an den täglichen Freilauf beschränken.
Pflege Die Pflege beinhaltet die regelmäßige Reinigung der Katzenklos (mindestens zweimal täglich), das Wechseln der Schlaftücher (mindestens einmal pro Woche), das Krallenschneiden (nicht zu kurz) und die Ohrreinigung (jeweils ein- bis zweimal pro Monat).
Hygiene Eine Unart der Frettchen ist es, Futter zu verschleppen oder in der Schlafbox zu horten.
Deshalb ist es wichtig, öfter die Verstecke nach altem Futter abzusuchen. Unabhängig davon müssen die Kuscheltücher im Käfig und an den Schlafplätzen in der Wohnung einmal pro Woche gewechselt werden. An Plätzen, an denen sich Frettchen viel aufhalten, hinterlässt die natürliche Talgschicht der Haut eine Braunverfärbung. Um dies zu verhindern wäre ein Schaumbad völlig sinnlos, da die Talgproduktion noch mehr angeregt werden würde und die Haut schädigt. Viele Frettchen plantschen aber gerne in warmem oder kaltem, klaren Wasser in einer flachen Wanne mit Spielzeug drin.
UnterbringungDer Käfig ist durch mehrere gegen Abrutschen gesicherte Sprungbretter und/oder Kletterröhren in zwei bis drei Etagen zu unterteilen. Als Mindestausstattung des Käfigs sollten zwei oder mehr Schlafmöglichkeiten in Form von Hängematte oder Schlafhäuschen, zwei Katzentoiletten mit Einstreu, Wassernapf zum Hängen sowie Fressnäpfe vorhanden sein. Heu und Stroh sollte als Nestmaterial wegen Schimmelgefahr nicht verwendet werden; besser geeignet sind nicht Fadenziehende Baumwolltücher. Der Käfigboden darf nicht eingestreut sein, da Frettchen ihr Futter darin wälzen und ggf. Streu mit fressen können. Zusätzlich zur Mindestausstattung bei Wohnungshaltung soll in den Sommermonaten eine mit Wasser gefüllte flache Schale, in den Wintermonaten eine isolierte Schlafbox und eine am besten mit der Schlafbox kombinierte und gut isolierte Futterhütte vorhanden sein. Es muss darauf geachtet werden, dass weder Futter noch Wasser einfrieren können. Evtl. kann mit Hilfe einer Wärmflasche die Temperatur in der Futterkammer in Plusgraden gehalten werden. Es muss die Möglichkeit zum Graben gegeben sein (60cm tiefes Erdreich), eine Hälfte des Geheges muss ständig beschattet sowie vor Regen geschützt sein. So wie bei Balkonhaltung ist eine Wasserschale bzw. eine winterfeste Hütte notwendig. Die Tiere müssen am Entweichen gehindert werden können und das Gehege gegen Einbruch gesichert sein. Eine Ausstattung in mehreren Etagen und eine abwechslungsreich gestaltete Einrichtung mit Spring-, Kletter- und Spielmöglichkeiten sind wichtig für eine artgerechte Unterbringung.
FütterungFutter und Wasser müssen kontinuierlich zur freien Verfügung bereitstehen. In den Sommermonaten muss über einen rechtzeitigen Futteraustausch nach ca. 8 Std. ein
starker Befall mit Fliegeneiern, in den Wintermonaten ein Einfrieren vermieden werden. Die Ernährung muss artgerecht und abwechslungsreich, einem Raubtier angemessen sein. Frettchen sind als Raubtier aus der Familie der Marder Fleischfresser. Ihr Magen -Darm-Kanal ist deshalb auf tierische Nahrung eingestellt. Die Magen-Darm-Passage beträgt etwa 3 Stunden. Durch diese kurze Verdauungszeit ist es wichtig, ständig Futter bereitzustellen. Das Futter muss stets frisch sein und sollte nicht länger als maximal 24 Stunden stehen bleiben.
Der Magen-Darm-Trakt reagiert schon auf leicht verdorbenes Futter sehr empfindlich.
Das Futter sollte zu 80 % aus tierischer und 20 % aus pflanzlicher Kost bestehen. Fleisch kann roh oder gekocht verfüttert werden, bewährt hat sich Rind-, Lamm- oder Geflügelfleisch (Rinderherz, Grüner Blättermagen, Pansen, Hühnerherzen, Hühnermägen usw.) Schweinefleisch bitte nie verfüttern. Das Fleisch bitte nicht zu klein schneiden, um den Ansatz von Zahnstein zu verhindern. Fettanteile brauchen nicht entfernt zu werden. Beim Kauf von Dosenfutter sollte man auf einen hohen Protein- und Fettanteil achten, der den hohen Energiebedarf der Frettchen deckt. Zucker, Salz und künstliche Aromastoffe sollten nach Möglichkeit nicht oder nur sehr gering enthalten sein. Als Zwischenmahlzeit kann man Katzentrockenfutter anbieten, es ist dabei aber zu beachten, dass sich die Tiere nicht ausschließlich von Trockenfutter ernähren, an das sie sich schnell gewöhnen. Pflanzliche Kost sind Hunde- oder Gemüseflocken, die unter das Dosenfutter gemischt werden. Obst und Gemüse säurearm(nie Kohl) Bananen, Trauben, Melone, Gurke oder Paprika, Reis, Nudeln, Babybrei aus dem Glas und allem was Ihrem Frettchen sonst noch schmeckt abdecken. Gelegentlich ein Eigelb wird das Frettchen nicht abschlagen. Manche mögen auch Seefisch. Bei Süßwasserfischen sollten Sie vorsichtig sein; nicht alle Arten sind geeignet. Trockenfutter eignet sich gut zur Zahnpflege. Milchprodukte werden von manchen auch gerne angenommen; wegen der Gefahr des Durchfalls sollte hier aber nur in geringen Mengen gefüttert werden. Darüber hinaus können Sie das Futter mit Vitamin- und Mineralstoffkomplexen ergänzen. Niemals sollten dem Frettchen gewürzte Speisen, Schokolade oder andere Süßigkeiten angeboten werden. Sie schaden der Gesundheit und Entwicklung des Tieres. Bei der Fütterung von Fisch sollte man dem Seewasserfisch den Vorzug geben, da das im Süßwasserfisch enthaltene Ferment Thiaminase im Körper das Vitamin B1 (Thiamin) zerstört.
Wichtig ist natürlich, den Tieren täglich frisches Wasser bereitzustellen.
Die Fütterung sollte sehr abwechslungsreich sein.
Nassfutter: Schmusy, Animonda, Miamor (auch hier darauf achten, dass der Anteil an Tierischen Stoffen sehr hoch ist und kein Zucker vorhanden ist).
Trockenfutter: Royal Canin Mature 28, Ferret Complete, Iams, Eucanuba
Fleisch: Hühnchenherzen- Mägen, Rindfleisch- herz, Putenherzen- Mägen, Lachs (Lidl), tote Eintagsküken
Vitaminpaste : Gimpet Multivitaminpaste für Katzen
StubenreinheitNur in seltenen Fällen wird ein Frettchen zu 100% stubenrein. Selbst bei psychisch ausgeglichenen Tieren geht öfter "etwas" auch mitten auf den Teppich. Veränderungen im gewohnten Tagesablauf, neue Rudelmitglieder oder selbst separierte Besuchertiere bringen Unruhe in die Gruppe und führen zum Verlust der Stubenreinheit. Bei unsicherer Rangordnung innerhalb einer Gruppe markieren auch kastrierte Rüden ihr Revier durch Rutschen über Unebenheiten verbunden mit Harnabsatz. Fühlen sich Frettchen in ihrem neuen Zuhause noch nicht richtig wohl, kommt es ebenfalls zu Unsauberkeiten, die sich aber mit der Zeit legen. Um die Tiere zur Stubenreinheit zu erziehen, kann an die vom Frettchen ausgesuchten Stellen eine Katzentoilette aufgestellt oder Zeitung ausgelegt werden. Leider suchen sich Frettchen viele Ecken aus. Jungtiere sollten nach dem Schlaf auf eine Toilette gebracht werden. Die meisten Tiere zeigen Unruhe, drängen mit erhobenem Schwänzchen rückwärts, wenn sie "müssen". Sie können dann mit nach ventral gedrücktem Schwänzchen zur Toilette getragen werden.
Auch nach dem großzügig bemessenen Auslauf müssen die bevorzugten Ecken abgesucht werden.
Verhalten: BissigkeitNur die wenigsten Tiere aus privater Haltung sind wirklich bissig. Ein übermütiges Zwicken beim Spiel zeigen die Tiere untereinander und damit natürlich auch beim Menschen. Sie lernen aber, vorsichtiger mit dem schmerzempfindlicheren Menschen zu spielen, wenn dieser laut auf quietscht. Auch ein "Klaps" kann das Frettchen bremsen. Unbekannte Tiere sollte man sich nie zu dicht an das Gesicht halten, viele beißen gerne in Nase oder Lippe, ohne dass dies böse gemeint wäre. Nur selten sind Frettchen so unleidlich, dass sie sich schmerzhaft verbeißen. Im Extremfall können sie einen "Beißkrampf" bekommen, der nur schwer zu lösen ist. Die Tiere beißen heftig zu, lassen etwas locker und beißen noch fester zu. Evtl. lassen sich die Tiere durch Vitaminpaste o.ä. so ablenken, dass sie loslassen. Ein Kieferaufbiegen kann evtl. dazu führen, dass sich das Frettchen an das neue Opfer wendet und zubeißt. Auch zugeführter Schmerz irgendeiner Art führt dann nur zu noch wütenderem Zubiss. Also Ruhe bewahren, die Tiere beruhigen und ablenken. Hungrige Jungtiere werden missmutig und können bei Manipulationen heftig zubeißen. Dem Besitzer muss geraten werden, Futter ad libitum bereitzustellen. Selbst die kurze Wartezeit beim Tierarzt kann die Welpen zu "bissigen Raubtieren" werden lassen.
Einige Frettchen können z.B. nur ihren Besitzer leiden und beißen alle anderen Menschen, oder sie können alle Menschen gut leiden und nur eine bestimmte Person nicht. Da dieses Verhalten reproduzierbar ist, ist davon auszugehen, dass Frettchen die Menschen genau unterscheiden können. Stimmt diese sog. Chemie aber zwischen Besitzer und Frettchen nicht, bleibt zum Wohle des Tieres nur die Vermittlung in ein anderes Zuhause. Dort kann sich das Tier völlig anders verhalten. Fühlen sich Tiere in einer Pflegestelle nicht wohl, oder werden sie zu Hause zu wenig artgerecht gehandelt oder zu selten aus dem Käfig gelassen, können sie ebenfalls bissig werden.
Erste HilfeDie wichtigste Maßnahme zur ersten Hilfe ist die Prophylaxe, d.h. die Vorbeuge oder die Vermeidung von Gefahren!!
1.
Das Handling, die Handhabung bei allen Maßnahmen wie Ohrreinigung, Krallenschneiden, Fiebermessen, Medikamenteneingabe oder Spritzen muss mit sicherer Hand und guter Fixation ausgeführt werden. Zur Hilfestellung kann eine zweite Person Leckerbissen wie Vitaminpaste dem Frettchen anbieten, um es abzulenken. Falls doch einmal in das Leben der Kralle geschnitten wurde, einige Minuten mit dem Finger oder mit einem Tuch auf die blutende Kralle drücken (nicht ständig tupfen!) oder Uhu oder Nagellack auftragen.
2. Das Tier sicher mit zwei Händen hochnehmen.
3.
Gefahrenstellen beachten und vermeiden: An gekipptes Fenster (Klemmgefahr), volle Gießkanne, offene
Waschmaschine oder Spülmaschine (lieber dreimal kontrollieren und Tiere zählen, nachdem die Maschine geschlossen ist und bevor sie wäscht), Türe zu einem verbotenen Zimmer (Klemmgefahr), Bettkasten.
Offene Fenster und Türen sind vor allem für unkastrierte Jungtiere eine Herausforderung.
4.
Verhaltensänderungen des Frettchens sollten den Besitzer hellhörig machen, er sollte das Tierchen gut beobachten, da in den meisten Fällen eine Erkrankung vorliegt. Z.B. Aggression gegen die Rudelmitglieder, Unwilligkeit gegen den Besitzer, ungewöhnlicher Schlafplatz, vermehrtes Trinken, Absetzen nur winziger Kotmengen, ab und zu Durchfall. Sehr junge und sehr alte Tiere können so tief schlafen, dass sie fast wie tot erscheinen, dann auf die Atmung achten und ggf. wie nach einer Narkose Wachrubbeln Da Frettchen evtl. Krankheiten sehr lange verbergen können, müssen sie und ihr Verhalten sehr gut beobachtet werden, da selbst geringfügige Abweichungen für eine Früherkennung ausschlaggebend sein können. Für eine gute Beobachtung ist es wichtig, die Tiere öfters am Tag für längere Zeit „um sich herum zu haben“.
5.
Verletzte oder eingeklemmte Tiere sind in Panik, aggressiv, haben Angst und können deshalb
schmerzhaft zubeißen. Zur eigenen Sicherheit und um dem Tierchen nicht noch mehr weh zu tun, ist es am besten, das Tier mit einem Handtuch ruhig aber beherzt zu greifen.
6. Das Frettchen ist entlaufen
An der Stelle, an der das Tier weggelaufen ist einen Kennel mit eigenen Tüchern aufstellen, evtl. Kot von Rudelgenossen auslegen, mit Rudelgenossen dort spazieren gehen, um eine Spur zum Kennel zu legen.
7.
VerdauungsproblemeEinmal Erbrechen, einmal Durchfall ist kein Problem, solange das Tier munter ist. Es sollte ggf. gut beobachtet werden. Hört das Verdauungsproblem nicht auf, oder tritt es immer wieder einmal auf, dann muss das Tier zum Tierarzt. Bei Erbrechen und Absatz von nur winzigen Mengen an Kot liegt der Verdacht auf einen Fremdkörper sehr nahe (Frettchen haben trotz Darmverschluss etwas Kotabsatz). Übelkeit und Appetitlosigkeit äußern sich oft durch Kratzen am Maul. Vorsicht !!! Frettchen trocknen sehr schnell aus, es ist deshalb völlig falsch, bei Durchfall Futter zu entziehen. Solange kein Fremdkörper vorliegt, kann mit einer geringen Menge an Cortison das Erbrechen behoben werden. Danach kann dann eine mit Babybrei „Menü“ angereicherte Elektrolytlösung ca. alle zwei Std. mit einer Einwegspritze eingegeben werden. Tiere, die nicht gefressen haben, ihr Futter verweigern, bekommen wässrigen Durchfall!!!
8.
Schutz vor HitzschlagBei Außenhaltung ist eine Markise über dem Balkon kein!!! Schutz vor Hitze, da sich die Luft darunter
noch mehr staut und Ammoniakgase entstehen können. Besser ist es, die Tiere auf einem Nord- oder
Ostbalkon zu halten oder bei Hitze in eine gut gelüftete Wohnung zu nehmen. Nasse Tücher bringen
keine Abkühlung sondern nur schwüle Luft. Besser ist es, eine Wanne mit Wasser aufzustellen.
Die Gängigkeit der Tränke muss kontrolliert werden!!!!
9.
JuckreizKratzen sich Frettchen vermehrt, handelt es sich meist um Ohrmilben, Flöhe oder Fellwechsel.
Bei Ohrmilbenbefall schießen sie meist aus ihrer Schlafbox, kratzen sich ausgiebig und legen sich
wieder schlafen. Versuchen sie bei der Ohrreinigung mit der Hinterpfote mitzukratzen, liegt auch
ein Ohrmilbenbefall vor, auch wenn keine Milben im Gehörgang sichtbar sind. Ein Flohbefall wird
meist nur an den Flohkotkrümeln in den Schlaftüchern erkannt. Bei extremem Fellwechsel geht das
Fell büschelweise aus, doch das neue Fell ist als Blaufärbung bereits wieder sichtbar (keinen Schreck bekommen, die blau-schwarzen Pfoten und Ränder um die Augen sind keine Blutvergiftung).
10.
VerletzungenBei größeren Verletzungen nie Watte oder Mull direkt auf die Haut, sondern am besten etwas
Betaisodona-Lösung aufträufeln. Dann das Tierchen zum Tierarzt bringen.
11.
ZahnpflegeTrockenfutter und Frischfleisch in größeren Brocken sind die beste Prophylaxe.
Zucker als Inhaltstoff im Futter vermeiden, z.B. Banane, Bananenprodukte, Katzenmilch.
12.
KreislaufschwächeDie Schleimhäute und der Nasenspiegel sollen immer schön rosa gut durchblutet sein, vor allem bei Aufregung. Werden sie dagegen blass-blau, fahlgrau oder weißlich, muss der Tierarzt aufgesucht werden.
13. Fremdkörper im OberkieferMeist versuchen die Frettchen sich mit der Pfote ins Maul zu greifen, wenn ein Stückchen
Trockenfutter sich im Oberkiefer verklemmt hat. Die gleiche Reaktion zeigen sie aber auch bei Übelkeit.
14.
Transport unterkühlter oder verletzter TiereUnterkühlte Tiere auf eine nicht zu heiße Wärmflasche legen und zudecken, oder dicht an den Körper unter die Jacke legen. Verletzten Tieren eine dicke, weiche Decke anbieten, sie sollen sich selbst lagern. Tieren mit Bauchschmerzen auch Wärme anbieten.